(aus der Reihe âBrösels kleine Feldforschungen im Dorfâ)
An einem dieser Sonntage, an denen der Himmel aussieht, als hÀtte jemand den Weichzeichner zu stark eingestellt, beschloss Brösel, Feldforschung zu betreiben. Zielgebiet: das Pfarrkaffee von Hauskirchen.
Er hatte gehört, dass sich dort die besten Geschichten zwischen Löffelgeklapper und Kardinalsschnitten verstecken. AuĂerdem, so munkelte man, gĂ€be es dort eine Topfengolatsche, die den Frieden auf Erden sichern könnte, wenn man sie rechtzeitig servierte.
Also marschierte Brösel los, mit frisch gebĂŒrstetem Fell und seiner Reportertasche ĂŒber der Schulter. Benno hatte abgesagt, weil er meinte, âKuchen sei kein wissenschaftlicher Zugang zur Weltbetrachtungâ. Brösel fand, dass Benno eindeutig zu wenig vom Leben verstand.
Im Pfarrsaal war es warm und leicht nach Vanille und Bohnerwachs duftend. Die Damen vom Kirchenchor schwirrten zwischen Kuchentellern und Filterkaffee wie gut gelaunte Hummeln, und Brösel setzte sich höflich auf einen freien Stuhl. Er bekam sofort Gesellschaft: eine resolute Oma im geblĂŒmten Kittel, die ihn prĂŒfend musterte.
âNa, wen hamma denn da?â, fragte sie, und bevor Brösel antworten konnte, hatte sie ihm schon ein StĂŒck Apfelstrudel serviert.
âEin lieber BĂ€r!â, stellte sie fest.
Brösel nickte bescheiden.
âReporter, gnĂ€dige Frauâ, flĂŒsterte er und machte sich Notizen ĂŒber den Zuckerguss.

Nach und nach fiel kaum jemandem auf, dass zwischen Spitzendeckchen und Kaffeetassen ein kleiner TeddybĂ€r saĂ, der sich höflich bedankte, den Kopf neigte und sich durch die Mehlspeisenkarte arbeitete wie ein echter Profi.
Er notierte:
â Gugelhupf: solide, leicht protestantisch im Geschmack.
â Topfengolatsche: messianisch.
â Kardinalschnitte: zu heilig, um sie zu kritisieren.
Zwischendurch hielt er kleine GesprĂ€che ĂŒber das Wetter, die Jugend von heute und die unglaubliche Geschichte von Frau MĂŒllers verschwundener HĂ€keldecke (die sich spĂ€ter als Serviettenhalter entpuppte).
Als der Pfarrer kam, hob Brösel höflich seine Tasse und sagte:
âEin vortrefflicher Sonntag, HochwĂŒrden. Man könnte fast sagen, himmlisch gebacken.â
Der Pfarrer nickte und nahm sich schweigend ein zweites StĂŒck Strudel.
Als Brösel schlieĂlich das Pfarrkaffee verlieĂ, trug er ein KrĂŒmel im Fell, ein seliges LĂ€cheln im Gesicht und in seiner Tasche eine Serviette mit der Telefonnummer der resoluten Oma.
FĂŒr Recherchezwecke, selbstverstĂ€ndlich.

Brösels Notiz:
âDie besten Geschichten findet man zwischen Mehlspeisen und Menschen, die glauben, sie hĂ€tten keine zu erzĂ€hlen.â







