Das langobardische Fürstinnengrab
(von Michael Huysza; Fotos: Naturhistorisches Museum Wien)
Im Weinviertel sind bisher 9 Gräberfelder bzw. Einzelgräber der Langobarden zutage gekommen, wobei Hauskirchen aufgrund der bedeutenden Funde, die in einem Adelsgrab, dem sogenannten Fürstinnengrab entdeckt wurden, herausragt. Das langobardische Fürstinnengrab und das langobardische Gräberfeld wurden 1966/67 im Bereich der Heindl-Schottergrube (gehört heute Fa. Winter) zwischen Hauskirchen und Prinzendorf entdeckt. Bei der vom Bundesdenkmalamt durchgeführten Grabung im Jahre 1967 wurden 16 Gräber freigelegt. Eine unbekannte Zahl an Gräber war bereits bei den Schotterabbauarbeiten zerstört worden; von einigen waren noch Beigaben zu retten.
Das Fürstinnengrab war wie fast alle anderen in Hauskirchen freigelegten Gräber bereits in alter Zeit geplündert worden. Die Beraubung des Grabes kann auf keinen Fall mehr als zehn Jahre nach der Bestattung der Toten, einer 25- bis 30 jährigen Frau, erfolgt sein, da zu diesem Zeitpunkt der Sehnenverband, möglicherweise auch Teile der Kleidungsstücke noch intakt gewesen sein müssen. Bei der Ausgrabung fand sich nämlich das fast komplette Skelett am Westende des Schachtes schräg an die Raubgrube gelehnt. Nur der Schädel fehlte; er dürfte während des Wegzerrens der Leiche aus ihrer ursprünglichen Lage abgerollt und aus dem Schacht geschaufelt worden sein. Ein besonderer Glücksfall ergab sich durch den Umstand, dass die Grabplünderer etwa 10 cm an den dort abgelegten Beigaben vorbeigruben und diese somit nicht gefunden wurden.

Bei den besonderen Beigaben handelt es sich unter anderem um ein großes Perlrandbecken aus Messing, welches in einer rheinländischen Werkstätte erzeugt worden ist, um einen keilstichverzieren Rippenbecher aus Ton und um die vollzähligen Metallbeschläge und –teile vom Geschirr zweier Pferde. Außerdem wurden im Fürstinnengrab eine scharf profilierte, weitmündige Tonschüssel und ein eisernes Webeschwert gefunden. Ein weiterer bemerkenswerter Fund und Zeuge der Völkerwanderung ist der Ring aus Elfenbein.
Als Meisterleistung germanischer Goldschmiedekunst können vier rechteckige Beschläge aus vergoldetem Silber angesehen werden. An den Rechteckbeschlägen ist je ein mondsichelförmiger Anhänger aus vergoldetem Silber angebracht, welcher mit verschiedenen Abbildungen reichlich verziert ist.
Wegen der Ringtrensen aus Bronze mit eisernen Mundstücken und des bei der modernen, sogenannten Fiakeranspannung verwendeten Zügelführungsringes kann es sich bei den Tieren nur um Zugpferde, keinesfalls um Reitpferde gehandelt haben.
Durch alle diese erhalten gebliebenen Beigaben steht das Hauskirchner Frauengrab innerhalb des langobardischen Siedlungsbereiches an der mittleren Donau beispiellos da. Durch die außergewöhnlich reichen Beigaben im Hauskirchner Grab wird vermutet, dass die dort bestatte Frau ein Mitglied des langobardischen Königshauses war.
Die Funde aus dem Gräberfeld sowie das Fürstinnengrab werden in der
prähistorischen Sammlung des Naturhistorischen Museums in Wien aufbewahrt. Teile davon können dort auch besichtigt werden.

