Der Hauskirchner Ortsteil „Matzelsdorf“ – Ein verschollener Ort?
Wer von den Hauskirchnern kennt nicht die Ortsbezeichnung „Matzelsdorf“.
Der Teil des Ortes, welcher über der Zaya Richtung Prinzendorf liegt. Der Name lässt vermuten, dass es sich hierbei um einen möglichen verschollenen bzw. verödeten Ort handelt. Solche Orte sind in der Geschichte unserer Heimat nicht selten. Vergleicht man benachbarte Orte in der Umgebung, liegt es nahe, dass es sich um einen solchen Ort handeln könnte. Denkt man zum Beispiel an Prinzendorf und Rannersdorf, oder Wilfersdorf und Hobersdorf.
Jedoch ist ein solcher Ort im sogenannten „Wüstungsarchiv“ nicht auffindbar. Liest man die Pfarrchronik, die ältesten Aufzeichnungen und Überlieferungen unseres Ortes, so stellt man fest, dass der Name Matzelsdorf lange Zeit nicht genannt wurde. Erst in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts wird zum ersten Mal „Matzleinsdorf“ genannt.
Beispiele:
„den 2ten April 1838 nachts um ¼ 12 Uhr die Dachungen von 9 Kleinhäusern zu Matzleinsdorf“
„Auch die Zaya hatte eine solche Höhe erreicht, daß es von 25. bis 27. März 1845 nicht möglich war, nach Matzleinsdorf, auch mit den größten Pferden zu kommen. Das Wasser stand hart an, an den Eckstein beim Körnerkasten, und nur durch einen doppelten Damm konnte ich Scheuer und Hof vor selbem retten.“
„Das Jahr 1849 war überhaupt reich an Gewittern, unter vielen andern war am
Frohnleichnamstage Nachmittag um zwey Uhr ein so strenges Gewitter, daß, obwohl nur ein Theil Hauskirchen berührte, und der größte Theil sich über den Steinberg mit einem Wolkenbruch sich entlud, daß die Gasse gegen Prinzendorf/:Matzleinsdorf genannt:/vom Wasser, das vom Steinberge im Alten Stadtwege hereinkam, ganz unter Wasser gesetzt wurde. …“
Eine weitere Erwähnung erfolgte bei einer Überschwemmung im Jahre 1862.
Erstmals wurde im Jahr 1885 im Zusammenhang mit einem Höhleneinsturz „Matzelsdorf“ geschrieben. Interessanterweise wurde danach erst wieder im Jahre 1977 (!) Matzelsdorf neuerlich erwähnt.
Es fällt auf, dass der Name nur im 19. Jahrhundert innerhalb weniger Jahre verwendet wurde. Es stellt sich somit die Frage „Warum?“ Die Antwort auf diese Frage gibt hier wieder die Pfarrchronik. Die Pfarrer haben genauestens Buch geführt über die Bewirtschaftung der Äcker. Bei den Namensauflistungen dieser Zeit fällt auf, dass der Name „Matthias“ zu dieser Zeit sehr beliebt war. Der Spitzname von Matthias ist unter anderem „Matz“. Eine Ansammlung von mehreren Personen mit dem gleichen Namen in diesem Ortsteil wäre natürlich nicht unbemerkt und vor allem nicht unkommentiert geblieben.
Und so wurde der „Ort mit den vielen Matthias“ kurzerhand zu „Matzelsdorf“!

