Ein Sonntag im Weinviertel

Prinzendorf

Ein Sonntag im Weinviertel

Zwischen Kirchenglocken, Kaffeegeruch und einer Prise Ewigkeit

Wenn man im Weinviertel an einem Sonntag aufwacht, klingt die Welt anders.
Die Vögel sind noch verschlafen, das Licht hat diesen milchigen Glanz, und irgendwo bläst jemand durchs offene Fenster den Duft von frischem Kaffee in die Gasse. Es ist, als hätte jemand die Zeit mit weichen Händen gebremst.

Im Radio plappert die Frühmesse, der Nachbar hustet sein altes Motorrad an, und von der Kirche her läuten die Glocken. Sie klingen nicht feierlich, eher wie ein freundliches Erinnern: „He, der Sonntag ist da. Lass dir Zeit.“

Draußen liegt Tau auf dem Gras. Der Himmel ist so groß, dass er fast ein Versprechen sein könnte.
Wer durch die Felder geht, hört das Rascheln der Reben und sieht die Sonne langsam aus den Nebeln steigen, als würde sie sich dehnen und gähnen. Manchmal duftet es nach Erde und nassem Holz. Manchmal nach Brot, weil jemand drüben in der alten Gasse schon Apfelstrudel im Ofen hat.

Im Dorf bewegt sich der Tag gemächlich. Der Bäcker hat nur bis zehn offen, was viele daran erinnert, dass Sonntage hier nicht für Eile gemacht sind.
Die Leute grüßen sich ein bisschen länger als sonst, man bleibt stehen, erzählt von der Ernte, vom Wetter oder von der Katze, die endlich wieder heimgefunden hat. Es gibt Sonntage, an denen solche Gespräche mehr bedeuten als ganze Bücher.

Nach dem Mittagessen, meist irgendwas mit Knödel, weil Knödel hier fast heilig sind, zieht ein leises Zufriedensein durchs Dorf. Die Kinder spielen barfuß, jemand schneidet Rosen zurück, und von irgendwoher dudelt ein altes Lied aus dem Radio.

Später, wenn die Sonne über den Hügeln hängt wie ein goldener Apfel, werden die Stühle vors Haus gestellt. Da sitzt man dann. Einfach so.
Man redet nicht viel, man schaut. Auf die Zaya, auf die Weite, auf die Wolken, die wie langsam ziehende Schiffe vorbeiziehen. Vielleicht kommt ein Nachbar vorbei, bringt ein Glas Wein, vielleicht bleibt man auch allein. Und doch fühlt man sich nie wirklich allein hier.

Weil ein Sonntag im Weinviertel nicht nur ein Wochentag ist.
Er ist eine Haltung. Eine kleine Erinnerung daran, dass das Glück manchmal einfach nur aus warmem Licht, einem Stück Kuchen und einem tiefen Atemzug besteht.

Und wenn die Dämmerung kommt, riecht man irgendwo schon das Abendessen, die Katzen schleichen durchs Gras, und das Dorf wird still. Nur die Glocken sagen noch einmal leise „Gute Nacht“.

Ein Sonntag im Weinviertel endet nicht, er bleibt.
Wie ein Nachklang aus Kindheit, Ruhe und einem Hauch Vanillepudding.

Sonntag im Weinviertel