Warum der Wein im Weinviertel zu Hause ist

Hauskirchen Prinzendorf Rannersdorf

Warum der Wein im Weinviertel zu Hause ist

Wer durch das Weinviertel spaziert, merkt rasch: Die Landschaft ist wie gemacht für den Wein. Sanfte Hügel, von Sonne durchzogen, ein weiter Himmel, und dazwischen Reben, die sich in Reihen aneinander schmiegen. Doch warum ist es eigentlich gerade hier im Weinviertel, und in Dörfern wie Hauskirchen, so selbstverständlich, dass der Wein dazugehört?

Die Antwort liegt im Boden und in der Geschichte. Unter unseren Füßen ruht ein Schatz: der Löss. Dieser helle, sandige Boden stammt aus der Eiszeit. Er speichert Wärme, hält Wasser, ist locker genug für tiefe Wurzeln und bietet den Reben genau das, was sie lieben. Dazu gesellt sich unser besonderes Klima: heiße, trockene Sommer, kalte Winter, viele Sonnentage. Ein Rebstock fühlt sich hier so wohl wie ein Fisch im Wasser.

Schon die Römer wussten das und pflanzten Wein an den Hängen. Sie machten den Rebensaft zu einem Teil ihres Lebens und ihrer Kultur. Später waren es die Klöster und Stifte, die den Weinbau pflegten und weiterentwickelten. Überall entstanden Kellergassen, Orte, wo man nicht nur den Wein lagern konnte, sondern auch Geschichten, Feste und Gemeinschaft.

Auch in Hauskirchen, Prinzendorf und Rannersdorf gehörte der Weinbau ganz selbstverständlich zum Alltag. Fast jede Familie hatte ein paar Reihen Reben. Wein war keine große Luxussache, sondern Teil der Vorratswirtschaft. Man trank ihn zum Essen, man tauschte ihn, man nutzte ihn wie „flüssiges Brot“. Wer ein kleines Fassl im Keller hatte, war für den Winter gerüstet, neben Erdäpfeln, Kraut und Speck.

Und natürlich war der Weinbau auch ein Gemeinschaftswerk. Wenn geherbstet wurde, packten oft mehrere Familien mit an. Kinder liefen durch die Reihen, naschten Trauben und durften mithelfen, die gefüllten Butten zu entleeren. Manchmal, nach dem Ausleeren, setzte der Onkel die Kleinen selbst in die Butte und trug sie lachend davon, als wären sie der süßeste Teil der Ernte. Zum Jausnen gab es Liptauerbrote, Schmalzbrote und natürlich Trauben, der Wein blieb den Erwachsenen vorbehalten. So wurde die Arbeit zu einem Fest, das noch heute in der Erinnerung leuchtet.

Heute ist das anders. Die kleinen Weingärten und eigenen Rebstöcke, die einst fast zu jedem Haus gehörten, sind verschwunden. Der Weinbau hat sich in die Hände der großen Winzerbetriebe verlagert, die mit viel Wissen und moderner Technik arbeiten. Das Alltagsbild aber, dass hinter fast jedem Garten eine Reihe Reben stand, das gibt es nicht mehr. Umso wertvoller sind die Erinnerungen daran, wie selbstverständlich Wein und Dorfleben einst zusammengehörten.

Brösels Notiz

„Ich habe einmal in eine Butte hineingelugt und ich schwöre, ich hörte die Trauben kichern. Vielleicht lachten sie darüber, dass sie bald zu Wein werden, vielleicht über die Kinder, die in den Pausen ein Schmalzbrot in der einen und eine Traube in der anderen Hand hielten. In jedem Fall war es ein Lachen, das nach Sonne schmeckte.“