Omas Strudelparade
Wenn meine Oma Strudel buk, war das immer ein Fest. Schon das Rascheln des Strudeltuchs und das geheimnisvolle Ziehen des hauchdünnen Teiges hatten etwas Magisches. Ich stand mit großen Augen daneben, während sich der Teig immer weiter ausbreitete, bis er so dünn war, dass man die Blumen des Tischtuchs darunter sehen konnte.
Dann kam die Füllung: Weintrauben, die noch nach Herbst dufteten, Nüsse, die sie liebevoll knacken ließ, oder der tiefschwarze Mohn, der geheimnisvoll glänzte. Und immer dieser Nussstrudel, mein großer Liebling! Denn wenn Oma Nussstrudel machte, wusste ich: jetzt kommt ein Stück Himmel aus dem Ofen.
Der Weintraubenstrudel hatte es bei mir damals schwer. Er war fein, saftig und etwas ganz Besonderes, aber gegen Omas Nussstrudel konnte er nicht antreten. Heute, viele Jahre später, denke ich an diese Szene zurück und wünsche mir, noch einmal in der Küche stehen zu dürfen, den Duft von Trauben und Nüssen in der Nase und Omas Hände zu sehen, die flink den Teig zogen.
Vielleicht ist es genau das, was den Weintraubenstrudel so besonders macht: Er erzählt eine Geschichte. Von Oma, vom Herbst, von einer Küche voller Wärme und von einem Kind, das sich schon auf das nächste Stück Nussstrudel freute.
Rezept für den Weintraubenstrudel
Für den Strudelteig (klassisch, handgezogen):
- 250 g glattes Mehl
- 1 Prise Salz
- 1 EL Öl
- ca. 125 ml lauwarmes Wasser
- etwas Öl zum Bestreichen
Für die Füllung:
- 600 g reife, kernlose Weintrauben (weiß oder rot, gern gemischt)
- 80 g Zucker (nach Süße der Trauben anpassen)
- 100 g gemahlene Nüsse (Walnüsse oder Haselnüsse – je nach Region)
- 60 g Semmelbrösel, in Butter goldgelb geröstet
- 1 TL Zimt
- etwas Zitronenschale
- 50 g zerlassene Butter zum Bestreichen
Zubereitung:
- Strudelteig: Mehl, Salz, Öl und Wasser zu einem glatten Teig verkneten. Mit Öl bestreichen, in einer Schüssel abgedeckt mindestens 30 Minuten rasten lassen.
- Ein bemehltes Tuch auf den Tisch legen, den Teig darauf dünn ausrollen und dann mit den Handrücken vorsichtig so lange ausziehen, bis er fast durchsichtig ist. Dickere Ränder abschneiden.
- Den Teig dünn mit zerlassener Butter bestreichen.
- Füllung: Die Weintrauben mit Zucker, Nüssen, Semmelbröseln, Zimt und Zitronenschale vermischen. Auf dem unteren Teigdrittel verteilen.
- Mithilfe des Tuches den Strudel eng einrollen und die Enden gut verschließen.
- Auf ein Backblech mit Backpapier legen, mit zerlassener Butter bestreichen und bei 180 °C (Ober-/Unterhitze) ca. 40 Minuten goldbraun backen. Zwischendurch noch einmal mit Butter bestreichen.
So genossen:
Am besten noch lauwarm, mit Staubzucker bestreut. Wer mag, reicht dazu Vanillesauce oder einen Klecks Schlagobers.
Dieser Strudel ist wie eine kleine Zeitreise, man schmeckt darin die Süße der Weintrauben, die Wärme der Nüsse und die Behaglichkeit einer alten Dorfküche. Kein Wunder, dass er in den Geschäften kaum zu finden ist. Er gehört einfach ins Zuhause, zu den Händen, die ihn mit Liebe ziehen.

Brösels Notiz ✏️🐻
„Ich habe versucht, den Strudel ins Geschichtenarchiv einzutragen, aber meine Pfoten waren voller Traubensaft und Nusskrümel. Benno hat nur den Kopf geschüttelt und gemeint: ‚Brösel, du klebst ja mehr als das Rezept.‘ Aber ganz ehrlich: so ein Strudel ist keine Geschichte zum Aufschreiben, sondern zum Aufessen!“


